Torfrock - Bagaluten im Lipperland.
ein Konzertbericht von Andreas Köhne

Seit 1977 mischen sie die Bühnen auf und schwimmen vor allem in den nördlichen Regionen auf der Erfolgswelle: Torfrock, die mit Fug und Recht zu den im positiven Sinne wohl verrücktesten Bands überhaupt zu zählen sind. Am 8. September 2011 gastierten sie im Bahnhof von Bad Salzuflen (Kreis Lippe), einer Nachbarstadt Bielefelds.
Sich selbst bezeichnen sie oft und gern als "Bagaluten", was übrigens so viel wie "Rüpel" oder "Radaubrüder" bedeutet. Es klingt zwar derb, ist aber dennoch eher kameradschaftlich gemeint.
Nicht allen dürfte bekannt sein, dass sich die Musiker seit 2007 für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger einsetzen, für die im selben Jahr die nach wie vor erhältliche Benefiz-CD "Search and Rescue" eingespielt wurde.
Gegen 20:15 Uhr betraten Klaus Büchner (vielen aus seiner Zeit als der "kleine Klaus" des Stimmungsduos "Klaus & Klaus" bekannt), Raymond Voß, Volker Schmidt und Stefan Lehmann die Bühne und brannten sogleich ein wahres Feuerwerk ab. Eine Menge Hits der 70er bis 90er Jahre sorgte für tolle Stimmung. Ob "Presslufthammer B-B-Bernhard", "Rut mit’n Torf", "Der Boxer", "Volle Granate, Renate" oder "Rollo der Wikinger" – überall ging das Publikum begeistert mit. Zwischenrufe wie "Vielen, vielen Danke!" (worauf alle Anwesenden mit "Vielen, vielen Bitte!" antworteten) sorgten gleichermaßen für gute Laune. Selbstverständlich durfte auch der Riesenerfolg "Beinhart" nicht fehlen!.
Diese Erfolgstitel wurden durch Stücke wie "Willi die Ratte", "Der Schimmelreiter", "Wildsau" (eine Coverversion des Troggs-Knüllers "Wild Thing") oder "Freie Bahn mit Marzipan" wirkungsvoll ergänzt. Letzteres entstammt dem Zeichentrickfilm "Gekotzt wird später", dessen Hauptfigur der "Bölkstoff" (Bier) liebende Motorradfahrer "Werner" ist. Alle Musiker präsentierten sich in absoluter Bestform, man merkte ihnen die Begeisterung förmlich an. Klaus Büchner sang nicht nur, sondern spielte mit Sopran- und Altflöte, Fagott (!!) und Mundharmonika auch insgesamt vier Instrumente.
Ein zunehmend alkoholisierter Besucher saß fast während des gesamten Auftritts auf dem Bühnenrand und versuchte immer wieder, Klaus Büchner anzusprechen. Der ging ab und zu darauf ein, zumal der Gast friedlich blieb. Zugleich machte er allerdings deutlich, dass er Musik machen müsse und sich deshalb nicht so häufig mit ihm unterhalten könne. Auf Wunsch dieses Zuhörers stellte man das Programm sogar in einem Punkt um und brachte das eigentlich nicht eingeplante "Wir unterkellern Schleswig-Holstein" zu Gehör – mit doppeltem Erfolg: Das Publikum tobte, der Gast hatte sein Lied bekommen und war zufrieden.
Mit "Kettenhemd" und "Karola Petersen" (im Original "Carol" von Chuck Berry) als Zugaben ging ein toller Auftritt unter dem tosenden Applaus der Anwesenden gegen 22:00 Uhr zu Ende.



